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01.08.2016 | Beate Kraayvanger

Oberschwaben - Himmelreich des Barock

Sommerreise der Senioren Union

47 Mitglieder und Freunde der Senioren Union Schifferstadt machten sich am 17.7.2016 auf, ein Stück dieses Himmelreiches zu erkunden. Die Fahrt ging an Ulm vorbei zur ersten Etappe, dem Wallfahrtsort und der barocken Klosteranlage Wiblingen, ein erstes Beispiel des Oberschwäbischen Barock.

Die 2-geschossige Bibliothek beherbergt 8000 Bücher, dazu einen „Giftschrank“ mit verbotenen Werken. Das Deckengemälde zeugt vom Anliegen der Mönche, alles Wissen der Welt in der Bibliothek zu vereinen. Die Interpretation der Fresken und Allegorien und die Erklärung von interessanten Details, wie z.B. „ein Buch aufschlagen“, ließen die Führung zu einem Erlebnis werden. Die Abteikirche St.Martin mit seinem Hochaltar, dem Holzkreuz aus Ulm und den 2 Orgeln ist ein barockes Gesamtkunstwerk. Wallfahrtskirche ist St.Martin dank der Holzsplitter des Kreuzes Christi, die in der Staurothek (Behälter für Reliquien) aufbewahrt werden. Das Kloster wurde wie viele andere 1806 säkularisiert. Die Weiterfahrt nach Bad Waldsee, unterbrochen vom Besuch des Klostergasthofes der Abtei Roggenburg,führte durch die liebliche Hügellandschaft Oberschwabens vorbei an dunklen Wäldern, tiefgrünen Mais- und satt- gelben Getreidefeldern. Der Standort der Reise war Bad Waldsee, das dank seiner Lage zwischen 2 Seen auch „Interlaken Oberschwabens“genannt wird. Es ist eine Stadt mit wechselhafter Geschichte, war es doch 500 Jahre lang österreichisch, bevor es 1806 an Württemberg fiel. In der Stadt gab es nicht nur 3 Klöster und ein Schloss, sondern auch ein selbstbewusstes Bürgertum, das sich das schönste gotische Rathaus Oberschwabens leistete. Schließlich war Bad Waldsee freie Reichsstadt seit 1268. Die prachtvollen Gebäude der historischen Innenstadt zeugen vom Wettbewerb, den Kirche , Adel und stolze Bürger austrugen. Der Reichtum der Stadt beruhte auf dem Handel mit Getreide, welches es im Überfluss gab. Außerdem war Bad Waldsee Badstadt, ein Faktor, der auch heute noch eine entscheidende Rolle spielt. Ein Spaziergang führte an der Spitalkapelle vorbei zum Spitalareal- heute noch Spital- am malerischen See entlang zum Klostergebiet und der Barockkirche St.Peter, in deren Innenraum sich das berühmte Epitaph des „eisernen Mannes“, des Druchsess Georg I ., befindet. Er war der Großvater des im Bauernkrieg zu trauriger Berühmtheit gelangten Georg III., auch als Bauernjörg bekannt. Ein Blick auf das älteste Fachwerkhaus mit dem „Hurentörle“ beendete die aufschlussreiche Führung. Die Fahrt nach Memmingen war die zweite Etappe der Reise. Gleich bei der Ankunft wurden wir mit der Vergangenheit konfrontiert. Die Vorbereitungen für das Fest zum Gedenken an Wallensteins Aufenthalt 1630 für einige Monate in Memmingen waren in vollem Gang. Eröffnet wird das Fest durch den Fischertag, dauert eine Woche, und findet alle 4 Jahre statt. Es ist zusammen mit der Landshuter Hochzeit das größte historische Spektakel Deutschlands. Memmingen ist eine Stadt mit historischem Stadtbild. Es war freie Reichsstadt und war Zentrum der Reformation calvinistischer Prägung. Von einem selbstbewussten Bürgertum zeugen die stattlichen Bürgerhäuser. Die Türme und Tore sind beredte Zeugen einer bewegten Vergangenheit, so z.B. der Hexenturm(ehemaliges Gefängnis speziell für Ehebrecher mit Folterkammer)oder der „Einlass“, der Zuspätgekommene nach einem komplizierten Verfahren doch noch in die Stadt einließ, um sie von der „Torschlusspanik zu erlösen. Der Bettelvogt regierte vom Bettelturm aus, wo er streng über die Sitten wachte. „Wüstgläubige“(Katholiken) hatten es schwer in der Stadt, ebenso junge Paare, die nach einem „Fehltritt“ ihre „Schandhochzeit“ in der Frauenkirche feiern mussten- und das nur an einem Mittwoch! Einen Ausgleich zur protestantischen Strenge verschafften sich die alten Memminger in den Badstuben. Eine obszöne Einkerbung ins Mauerwerk lässt einiges erahnen! Von den zahlreichen Plätzen seien nur 2 erwähnt: Der Schrannenplatz, an dem sich ehedem Schrannen,d.h. Getreidespeicher befanden und der Weinmarkt mit dem Kramerzunfthaus. Hier verfassten die aufständigen Bauern 1525 mit den 12 Bauerartikeln die erste Menschenrechtserklärung. Ochsenhausen war das nächste Ziel. Überspannt von pastellblauem Himmel mit barocker Wolkenbildung bot die ehemalige Reichsabtei mit seiner exponierten Lage und den gewaltigen Ausmaßen einen atemberaubenden Blick. Sowohl die Ausmalung der Decken, die Schnitzarbeiten bes. im Audienzsaal des Abtes und die Treppenhäuser sind erstklassige Beispiele von barockem Lebensgefühl und Prachtentfaltung. Das Anliegen der Mönche war immer, theologisches und weltliches Wissen zu sammeln und zu mehren, der Kunst Raum zu bieten. Diesem Anspruch wird auch heute noch Rechnung getragen, ist doch die Abtei u.a. Musikakademie und Begegnungsstätte für junge Musiker. Am Fuße der schwäbischen Alb, ins Tal eingebettet, erhebt die Abteikirche Zwiefalten ihre Schaufassade. Ihr Besuch war ein weiterer Programmpunkt. Das Münster „Unsere liebe Frau“ ist eines der bedeutendsten Bauwerke des Spätbarock deutscher Prägung. Es ist der Inbegriff oberschwäbischen Barocks. „Wo der Himmel die Erde berührt“, besser kann man den Eindruck nicht beschreiben, wenn man die Kirche betritt. Die kunstvollen Deckengemälde öffnen den Blick in den lichtdurchfluteten Himmel. Kein Gemälde, keiner der zahlreichen Altäre, die jeder für sich ein Kunstwek ist, keine Säule, keine Balustrade ohne kunstvolle Stuckornamente. Stuck machte selbst vor den Beichtstühlen aus Nußholz nicht halt. 999 anmutige Putti umschweben die bunt-goldene Stuckornamentik. Das kunstvolle Altargitter trennte den Kirchenraum(die Brüderkirche) vom Chor, der nur den Priestern vorenthalten war. Dort befindet sich denn auch das einmalige Chorgestühl aus Nussholz, mit seinen Medaillons aus vergoldetem Lindenholz. Weitere Höhepunkte sind die Gabler-Orgel und der Hochaltar, der als hl.Theaterkulisse interpretiert werden kann. Der nächste Programmpunkt war Heiligkreuztal, eine Klosteranlage wenige Kilometer von Zwiefalten entfernt. Während die Klostergebäude einem Bildungszentrum Raum bieten, lädt die Kirche zur Andacht ein. Der gotische, schlichte Innenraum mit seinem meisterhaften Glasfenster und den wenigen verbliebenen Fresken ist ein wohltuender Kontrast zur Pracht , die den Besucher in Zwiefalten überwältigte. Nur die Seitenaltäre erinnern daran, dass man sich im barocken Oberschwaben befindet. Ein Gottesdienst, den junge Franzosen gestalteten, verdeutlichte die Spiritualität des Ortes. Weiter ging es nach Sigmaringen. Die an der Donau gelegene Stadt wird imposant überragt vom weltberühmten Hohenzollernschloss. Seit nahezu 1000 Jahren ist es in Familienbesitz und wird auch noch teilweise von der Familie bewohnt. Ein Gang durch die wiederhergestellten Räume, die mit originalen Möbeln, Geschirr und Gemälden ausgestattet sind, führt die Geschichte des Hauses lebendig vor Augen. Waffen-und Jagdinteressierte kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Ein in der wechselhaften Geschichte interessantes Detail ist die Tatsache, dass das Schloss vom September 1944 – April 1945 die aus Frankreich geflohene deutschlandtreue Vichy-Regierung beherbergte. Schussenried war das Ziel des nächsten Tages. Kontratsreicher konnte das Programm an diesem Tag nicht sein. Steinzeit trifft Barock! Die Klosteranlage Schussenried beherbergt zur Zeit eine hochkarätige Ausstellung, die Einblicke in 4000 Jahre Pfahlbaukulturen, technische Innovationen und gesellschaftlichen Wandel bietet. Der erste Teil der Ausstellung stellt die neusteinzeitlichen Moor- und Seeufersiedlungen und übergreifende Pfahlbauthemen vor. Der 2. Teil der Ausstellung im Federseemuseum in Bad Buchau wurde am Nachmittag besucht. Mitten in der Moorlandschaft besticht das Federseemuseum mit seinem klaren, auf Betonstelzen ins Wasser gestellten Gebäude. Es gleicht einem modernen Pfahlbau aus Beton und Glas. Im Freilichtbereich sind ein Duzend Häuser und Hütten nach prähistorischen Vorbildern entstanden. Zusammen mit der Ausstellung eröffnet sich ein einzigartiger Einblick in das Leben der Vorzeit. Eingebettet in die Reise in die Vergangenheit war der Besuch des Bibliothekssaales in der Klosteranlage Schussenried. Der elegante, lichtdurchflutete Rokoko-Bibliothekssaal zählt zu den bedeutendsten Bibliothekssälen nördlich der Alpen. Die kunstvoll gestalteten Bücherschränke sind auf 2 Etagen angeordnet. Die aufgemalten Buchrücken tragen zur Farbharmonie bei. Einstmals beherbergte die Bibliothek 20 000 Bücher, von denen nur noch wenige Exemplare in Stuttgart zu bewundern sind. Glanzstück des Saales ist jedoch das prachtvolle Deckenfresko , welches das Thema „Sitz der Weisheit“ symbolisch darstellt.Eine Orgel fügt sich harmonisch in das Gesamtbild des Raumes. Sie deutet darauf hin, dass der Saal später auch als Kirchenraum diente. 1803 ereilte die Klosteranlage das Schicksal vieler Klöster: sie wurde säkularisiert. Die barocke Klosteranlage Sießen war das Ziel des folgenden Tages. Der freundlichen Franziskanerin gelang es, in das Leben und Wirken ihrer berühmten Mitschwester Innocenzia Hummel einzuführen. Sießen war das Kloster, in dem die Hummelzeichnungen entstanden, die als Vorlage für die weltbekannten Hummelfiguren dienten. Die Klosterkirche St.Markus ist Teil der Klosteranlage. Gehört sie zwar zu den weniger bekannten Kirchen an der Barockstrasse, so ist man doch überrascht, einen Raum mit so viel Licht, Farbe und Höhe anzutreffen. Die Ausmalungen künden von der Schönheit des Glaubens und der Welt. Das umfassende Thema ist die Hinwendung Gottes an die Menschen. Gilt Sießen als das Lehrlingsstück der Baumeister und Maler Dominikus und Johann Baptist Zimmermann, so ist die Kirche in Steinhausen ihr Gesellenstück. Sie gilt als die schönste Dorfkirche der Welt. Der Innenraum geht in den Rokokobaustil über. Ein einmaliger Kunstschatz ist die Pietà, die „Schmerzensmutter auf der Saul“. Besonders reizendes Detail der symbolträchtigen Ausgestaltung der Kirche sind die Stuckvögel, die von unten kaum erkennbar die „Ohrenfenster“ umschweben und deren Symbolkraft dem modernen Betrachter manches Rätsel aufgeben. Der Besuch von Weingarten setzte die Reise fort. Die Basilika gilt als „schwäbisches St.Peter“ als die größte Barockkirche nördlich der Alpen. Sie präsentiert sich mächtig und prachtvoll oben auf dem Martinsberg. Die schmuckvolle Eingangstür führt in den Innenraum der Basilika, der einem Festsaal gleicht. Kunstvoll gestaltete Fassaden Altäre und Deckenfresken (von C.D.Damian), das Gold der kunstvollen Chorgitter und das beidseitige Chorgestühl überwältigen den Betrachter. Die historische Gabler-Orgel mit ihren 6666 Pfeifen gilt als das Meisterstück Joseph Gablers aus Ochsenhausen. Wie viel Sachverstand es bedurfte, diese Orgel zu bauen, ist nur schwer nachvollziehbar. Weingarten verdankt seinen Ruf als Wallfahrtsort der Heilig-Blut-Reliquie. Das Reliquiar wird in einem Altar unter der Kuppel aufbewahrt. Seit der Barockzeit wird die Reliquie am Blutfreitag (Freitag nach Christi Himmelfahrt) an den Heilig - Blut-Reiter übergeben. Begleitet von 3000 Reitern reitet dieser segnend durch die Stadt und die Felder. Letzte Station der Reise war Ravensburg, der Stadt der Türme und Tore, deshalb auch das „schwäbische Nürnberg“ genannt. Wohlhabend präsentiert sich die Stadt mit ihren gut-bürgerlichen Wohn-und Geschäftshäusern. Das Stadtschauspiel „die Türmerin“ führte durch das Ravensburg des 18.Jahunderts. Unterhaltsame Anekdoten und Legenden ließen die Vergangenheit lebendig werden, wusste doch die beherzte Ravensburgerin zu berichten von Rebleuten, Salzknechten, Laufbrunnen, Pfeffertagen, von Orten wie z.B. dem Seelenhaus, dem Gerichtserker, dem Fischmarkt und dem Bläserturm. Wie sehr Katholiken mit Protestanten in der Stadt konkurrierten wurde beim Besuch der ev.Stadtkirche deutlich. Eine Stadtführung einer ganz anderen Art bildete den Abschluß des Programms. Eine Reise in angenehmer Gesellschaft, hervorragend organisiert, einem Programm folgend, das den Teilnehmern den kulturellen Reichtum Oberschwabens erschloss, wobei Geselligkeit und der Genuss der köstlichen oberschwäbischen Küche nicht zu kurz kamen, ging zu Ende.

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